An drei Fichten am Südhang liegt es auf den Rindenschuppen und unten am Stammfuss: rostbraun, fein wie Kaffeepulver. Nach Regen sieht man es nicht mehr, man muss bei Trockenheit schauen.
Auf rote Kronen zu warten bringt nichts. Wenn die Krone rot ist, sind die Jungkäfer meistens schon ausgeflogen — dann fällt man den Baum und die Gegenspieler gleich mit.
Diese Fichten hat hier unten irgendwann jemand gepflanzt, weil sie schnell wächst und mit allem zufrieden ist. Sie ist flach gewurzelt und kommt aus einem kühleren Klima. In einem trockenen Sommer merkt man das.
· Donnerstag
Zu spät losgegangen
Schwül den ganzen Nachmittag, und dann steht es plötzlich über dem Grat. Bis zum Waldrand habe ich es nicht mehr geschafft.
Unter geschlossenem Laub bleibt man erstaunlich lange trocken — bis das Dach voll ist. Danach regnet es innen weiter, wenn es draussen längst aufgehört hat.
· Donnerstag
Am oberen Weg
Wo der Bestand licht wird und die Sonne früh hinkommt, steht ein Haufen, der mir bis über die Hüfte geht. Im dichten Buchenwald weiter unten findet man so etwas nicht, da ist es ihnen zu dunkel.
Wenn man still stehen bleibt, sieht man, dass die ganze Kuppel in Bewegung ist. Unter dem Boden soll es noch einmal so weit hinuntergehen. Nachprüfen kann ich das nicht und will es auch nicht.
Sie stechen übrigens nicht, sie spritzen. Das hatte ich als Kind anders gelernt.
· Montag
Die kurze helle Zeit
Die Buchen sind aufgegangen, unten am Hang seit ein paar Tagen, weiter oben noch nicht — dort oben dauert es jedes Jahr gut eine Woche länger.
Es ist die kurze Zeit, in der das Laub schon geschlossen und trotzdem noch durchsichtig ist. Das Licht kommt grün durch, nicht von oben. Im Juni ist es hier dunkel, jetzt ist es heller als im ganzen restlichen Jahr.
Länger geblieben als vorgehabt.
· Donnerstag
Vor dem Dach
Der Boden ist weiss von Buschwindröschen, und oben ist noch nichts. Genau das ist der Trick: Sie blühen fertig, bevor die Buchen zumachen.
Ein paar Wochen später kommen hier unten nur noch ein paar Prozent Licht an. Die ganze Eile dieser Pflanzen ist eigentlich eine Terminfrage.
· Mittwoch
Der Hang riecht schon
Man riecht ihn, bevor man ihn sieht. Unten am Bach steht der Bärlauch knöcheltief, dabei hat es letzte Woche noch gefroren — er braucht den Frost ja, sonst käme er gar nicht.
Ich nehme mir jedes Blatt einzeln am Stiel und knicke es. Es macht einen kleinen Knacklaut, und die Unterseite bleibt matt. Auf den Geruch allein kann man sich nicht verlassen: nach zwei Blättern riechen die Finger, und dann riecht alles richtig.
Mitgenommen habe ich nichts. Nur nachgesehen, ob er da ist.
· Montag
Zwischen den Jahreszeiten
Nasser Schnee auf altem Laub, und dazwischen kommt schon Grün durch. Der Weg ist halt eine Rinne.
Föhnig und viel zu warm für Februar. An den Zweigen sind die Knospen lang und spitz, aber sie machen nichts.
Die Buche wartet eben nicht nur auf Wärme, sie schaut auch auf die Taglänge. Deshalb läuft sie den warmen Wintern nicht so davon wie die Blüten in den Gärten. Man kann sie schlecht überreden.
· Montag
Ohne Laub sieht man den Hang
Im Winter sieht man erst, wie der Hang eigentlich geht — die Mulden, die alten Rückegassen, die Steine. Im Sommer ist das alles zu.
An einer Buche hängt noch dürres Laub vom letzten Jahr. Die jungen halten es den ganzen Winter, die alten nicht. Warum eigentlich, weiss ich nicht.
Es zog eine Hochzeit den Berg entlang,Ich hörte die Vögel schlagen,Da blitzten viel Reiter, das Waldhorn klang,Das war ein lustiges Jagen!
Und eh ich’s gedacht, war alles verhallt,Die Nacht bedecket die Runde,Nur von den Bergen noch rauschet der WaldUnd mich schauert im Herzensgrunde.
Joseph von Eichendorff: Im Walde, 1836. Aus den Wanderliedern.
Daher der Name dieser Seite.
Erster Bärlauch
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Immer dieselbe Stelle unten am Bach. Ich schreibe es auf, seit ich einmal
gemerkt habe, dass ich mich an das letzte Jahr nicht erinnere.